Kunsttherapie studieren trotz Erkrankung, konkrete Erfahrungen und Ratschlag
#1
Liebe Forenmitglieder,

Meine Frage zielt in eine ähnliche Richtung wie die von Rotwein vor mir.
Ich leide seit mehreren Jahren unter einer Bipolaren Störung und interessiere mich dafür, im Master Kunsttherapie zu studieren.
Ich habe bereits ein Diplom in einem künstlerischen Studienfach, und die Richtung würde sich im Hinblick auf eine konkrete Berufswahl gut anbieten.
Jetzt habe ich in den letzten Monaten ein Praktikum in dem Bereich gemacht (in einer Klinik, psychiatrische Abteilung, Bereich Kunsttherapie).
Nun war ich zu der Zeit nicht durchgehend stabil und habe den Zwiespalt schon ansatzweise selbst gespürt, in den man sich dort begibt.
Es gab auch Situationen, in denen es mir auf der Zunge lag, mich zu "outen, z.b. wenn ich von den anderen Therapeuten über das Krankheitsbild der bipolaren Störung belehrt wurde, aber ich konnte mich noch zusammenreißen. Die Rolle, die ich dort eingenommen habe, wurde aber immer schwieriger,
auch belastender zum Teil, als ich selbst anfing, wieder depressiv zu werden.

Ich denke, dass man als (diagnostizierter) Betroffener diesen Beruf bestenfalls nur dann ergreifen sollte, wenn man ziemlich stabil ist, die richtigen Medikamente gefunden hat etc.
(und das ist bei mir noch nicht durchegehend der Fall).

Gibt es hier (aus dem Sprektum psychischer Erkrankungen) betroffene Therapeuten und Therapeutinnen, die mir vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen von Vornherein abraten würden, mich in eine solche berufliche Richtung zu orientieren?
Hättet ihr euch im Nachhinein anders entschieden?

Ich würde mich auf Kommentare, Hinweise, Gedanken, Meinungen dazu freuen...
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#2
Hallo kern.wern,

dein Post ist zwar schon älter, aber vielleicht erreicht dich meine Antwort ja noch.

Ich bin Sozialarbeiterin und habe eine zusätzliche Weiterbildung zur klientenzentrierten Beraterin (GwG) gemacht. Ich arbeite in einem Sozialpsychiatrischen Dienst und habe mich vor ein paar Monaten auch nochmal in ambulante Psychotherapie begeben.

Meine Haltung zu deinen Fragen sieht so aus: Du brauchst für die Arbeit mit psychicsch kranken Menschen eine gewisse Grundstabilität. Das heißt nicht, dass du keine Krisen haben darfst aber du solltest deinen Alltag mit einem sicheren Gefühl bewältigen können und über Strategien im Umgang mit Selbstregulation und Stress verfügen. Das als Basic. Und dann kommt noch die eigentliche Arbeit: Du hast ja schon praktische Erfahrungen gesammelt. Wie ging es dir mit den Klienten/Patienten? Was lief gut, war kein Problem, wo bist du an deine Grenzen gekommen? Vielleicht kannst du das für dich und in der Therapie reflektieren und noch bestehende Hürden bearbeiten.

Mein "Tipp" wäre, während des Masters auf jeden Fall eine ambulante Psychotherapie zu machen. Dort kannst du dich stärken, mit deiner Krankheit umgehen lernen und eben auch das Thema Arbeit besprechen und einen Weg für dich finden.

Prinzipiell finde ich: Wenn es genau das ist, was du machen willst, dann probier es aus. Mach möglichst viele praktische Erfahrungen schon im Studium, sodass du ggf. auch noch eine Richtungsänderung vornehmen kannst. Überlege dir, welches Setting später für dich geeignet wäre: Kunsttherapeuten arbeiten ja häufig in Kliniken, vielleicht gibt es dafür aber auch im ambulanten Bereich (den ich für weniger intensiv halte) Möglichkeiten??

Du kannst deine eigenen Erfahrungen mit deiner bipolaren Erkrankung durchaus zu einem Gewinn für deine Klienten/Patienten machen, aber dazu muss es dir eben prinzipiell erstmal "gut" gehen. Also arbeite dran Smile.

Alles Gute und melde dich doch gerne nochmal!

franfine

https://blaupause-gesundheit.de/dr-freis...ne-profis/
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