Medizinstudium Suizidprävention
#1
An unserer Uni hat sich vor Kurzem ein Studierender aus dem zweiten Semester (Medizin) das Leben genommen. Ist so etwas bei euch auch schon einmal vorgekommen und wenn ja, wurde darauf reagiert? Welche Hilfsangebote gibt es bei euch?
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#2
So etwas sind traurige Einzelfälle. Lassen wir mal das "Student der Medizin im 2 Semester" außen vor. Klar haben viele gerade im ersten und zweiten Semester sehr viel Stress. Verständlich wenn man sich den riesen Batzen anguckt, der zu lernen ist. Aber er hätte genau so etwas anderes studieren können oder einer Arbeit nachgehen können. Es gibt ohne ende andere Faktoren die beachtet werden müssen. Machen die Eltern Druck, ist es eine generell labile Persönlichkeit, Stress oder Trauer im Alltag, Liebe.. Suizidprävention sollte es überall geben und es ist unsere Aufgabe die Augen auf zu halten. Solche Menschen erkennt man und man kann ihnen auch helfen. Anlaufstellen für Suizidgefährdete gibt es, werden aber nur in seltenen Fällen aufgesucht.

LG
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#3
Unfassbar finde ich den Beitrag vor mir und kann nur den Kopf schütteln.
"Er hätte genau so etwas anderes studieren können oder einer Arbeit nachgehen können".

Ja, das wollte er/sie aber nicht. Der Berufswunsch Arzt/Ärztin sollte auch mit einer Beeinträchtigung nicht unerreichbar sein.
Natürlich stehen hinter einem Suizid meist multiple Faktoren, ich halte es aber für eine Unart, so zu tun als sei die Annahme, dass die Belastungen des Medizinstudiums keinen erheblichen Anteil an seinem/ihrem Tod haben, abwegig. Gerade für vorbelastete, sensiblere oder unflexiblere Studierende (mit Kind, pflegende Angehörige, selbstfinanziert, erkrankt) die trotzdem Arzt/Ärztin werden können sollten bietet das Studium viele Trigger und wenig Hilfsangebote. Druck, Schickane, Psychoterror, elitaristisches Denken, Bloßstellung vor Anderen, sinnbefreite Pflichtveranstaltungen, zwangsangemeldete Prüfungen und und und.
Wer sich Hilfe sucht oder suchen muss outet sich schnell als angeblich "nicht belastbar genug", kriegt zumeist von alten, selbstreferentiellen männlichen Professoren zu hören man wolle sich nur vor Verantwortung drücken etc.
Es ist kein Geheimnis, dass im Medizinstudium kein Platz für Schwäche ist, die eigene Psychohygiene unter den Tisch fallen soll und die Anforderungen teilweise an der Berufsrealität völlig vorbei gehen.

Ich finde, das gesamte System des Medizinstudiums (Regelstudiengänge) ist veraltet, lernpsychologisch bedenklich und gehört definitiv auch im Hinblick auf die psychischen Belastungen, die es mit sich bringt, diskutiert. Offensichtlich hat "man" ja den Suizidenten an dieser Stelle nicht erkannt und auch nicht geholfen. Die Unis schieben jede Selbstreflektion erstmal von sich weg.

Es wurde außerdem nach konkreten Hilfangeboten an den Universitäten gefragt, worauf der Beitrag vor mir ebenfalls nicht eingegangen ist.
An unserer Uni gibt es eine psychosoziale Beratung für alle Studierende, keine speziellen Angebote der medizinischen Fakultät.
Die Beratung zu Nachteilsausgleichen an der Uni wurde wegrationalisiert, die Sozialberatung des Studierendenwerks ist sicherlich ebenfalls kein guter Ansprechort für suizidale Krisen sondern berät zur Finanzierung etc.
Sprich, nur die psychosoziale Beratung wäre ein Ort, an dem man sich in einer akuten Notlage Rat von PsychologInnen holen könnte.
Wer allerdings schon einmal in einer schweren depressiven Krise gesteckt hat, weiß dass man handlungsunfähig werden kann und dann darauf angewiesen ist, dass das eigene Umfeld reagiert. Ein Umfeld, in dem Professoren, Studierende und DozentInnen wertschätzend miteinander umgehen und aufeinander achten, in dem das Zugeben von Schwächen nicht sanktioniert, sondern begrüßt wird und dem auch die Fakultäten selbst eine Ombudsperson oder Einrichtung betreiben, an die man sich in Krisenfällen wenden kann um nach Lösungen zu suchen, wäre eine Utopie.
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