Persönliche Betroffenheit öffentlich machen
#1
Hallo an alle!

Ich stehe in einem inneren Konflikt: einerseits denke ich, dass es gut ist, seine Erfahrungen auch öffentlich zu teilen, denn wenn man sich hinter einer Anonym-Funktion versteckt ist es irgendwie gleich weniger authentisch und "echt". Gleichzeitig habe ich trotzdem auch Angst, weil noch nicht alle mit persönlichen Krisen- und Behandlungserfahrungen gut umgehen können und ich zum Beispiel Angst hätte, zukünftige Arbeitgeber könnten mich deswegen nicht einstellen. In meinem Bekanntenkreis und so im Gespräch gehe ich damit eigentlich ziemlich offen um, und auch so bin ich da manchmal recht "sorglos", mir wird aber immer wieder gesagt, das Internet vergesse nie und ich müsse da vorsichtig sein.

Wie sind eure Erfahrungen damit? Wie offen geht ihr mit persönlicher Betroffenheit um?

Danke und viele Grüße!
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#2
Hey!

Seit ich mich in Therapie begeben habe, gehe ich in meinem privaten Umfeld sehr offen mit meiner Betroffenheit um. Anfangs fiels mir gar nicht so leicht, ich hatte immer unterschwellig Angst, doch auf Ablehnung oder Unverständnis zu stoßen. Aber man erfährt meist sehr viel Akzeptanz. Ich konnte dadurch für mich selbst die eigene Betroffenheit besser akzeptieren und hab dadurch auch etwas mehr an Selbstvertrauen gewonnen. Es tut gut, dadurch das Thema auch mit mehr Leichtigkeit ansprechen zu können.

Aber ich scheu mich auch noch etwas davor, es im Internet wirklich komplett öffentlich zu machen.. Einerseits hab ich ähnliche Ängste - was, wenn ein zukünftiger Arbeitgeber das evtl. liest, oder wenn es gegen einen verwendet wird. Andererseits denk ich, dass es ja auch dazu beitragen würde, weiter zu Entstigmatisieren, ein Statement zu setzen, dahin gehend, dass nicht mehr hinter verschlossener Hand über psychische Leiden geredet werden muss, sondern es thematisiert wird wie ein physisches Leiden. 
Die Frage ist auch, möchte ich mit Menschen, die mich wegen meiner Betroffenheit ablehnen, überhaupt weiter was zu tun haben, sollte ich es öffentlich machen?

Liebe Grüße!
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#3
Das habe ich mich auch schon gefragt, also ob ich zum Beispiel überhaupt irgendwo arbeiten wollen würde, wo ich deswegen abgelehnt würde bzw. wo psychische Gesundheit ganz unter den Tisch fällt. Aber die Frage ist ja auch, ob man sich das überhaupt dann aussuchen kann. Außerdem ist es ja leider so, dass man gerade in schlechteren Phasen vielleicht nicht das Selbstbewusstsein hat, sich hinzustellen und dazu zu stehen und zu erzählen und verkaufen, dass man trotzdem gut für den Job geeignet ist.

Andererseits tut es so gut, sich nicht verstecken zu müssen um im Gegenteil sogar zu erfahren, dass man trotzdem wertgeschätzt und gern gehabt wird und manchmal sogar Wertschätzung dafür erfährt, wie man mit Krankheit umgeht.

Ich habe sowohl von Menschen mit positiven als auch mit negativen Erfahrungen gehört. Zwei positive Beispiele von Profis, die an die Öffentlichkeit gegangen sind:
https://www.swr.de/odysso/eine-depressio...index.html
https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kan...g-100.html
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#4
https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/...78596.html

Depressiv erkrankter Psychiater und Oberarzt Michael Freudenberg. Man kann mit Hr. Freudenberg auch Mailkontakt aufnehmen, ist sehr interessant.
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