Arzt werden als psychisch Kranker
#1
Hallo :-)

Ich habe ein sehr ungewöhnliches Anliegen. Ich komme mir ehrlich gesagt selbst dabei blöd vor. Und zwar folgendes: Ich leide seit 5 Jahren an paranoider Schizophrenie. Ich bin medikamentös gut eingestellt, hab eine Verhaltenstherapie absolviert und bin recht stabil und aktuell Student. 

Jetzt spuckt mir schon seit über einem Jahr der Gedanke im Kopf rum, nach meinem Erststudium in Teilzeit zu arbeiten und Medizin zu studieren, um Psychiater zu werden. Die Fachliteratur speziell für dieses Fach habe ich auch vollständig. 

Ursprünglich wollte ich alles genau wissen, um einen guten Umgang mit der Krankheit zu finden und mich mit Ärzten auf Augenhöhe auszutauschen. Jedoch interessieren mich auch die anderen Krankheiten und eine Tätigkeit als empathischer Arzt in einer Klinik und in eigener Praxis kann ich mir gut vorstellen. Mir haben bereits Freunde diesen Weg empfohlen und gemeint ich könne damit sehr glücklich werden.

Jedoch habe ich Angst vor Stigmatisierung. Ein "verrückter Psychiater"? Klischee! Dementsprechend habe ich Angst, dann eine Schande für den Berufsstand zu sein, von Kollegen schräg angesehen zu werden und von normalen Menschen als Freak behandelt zu werden. Auf Nachfrage beim DGPPN empfahl man mir dieses Forum. Kann mir vielleicht jemand mit seiner Einschätzung zu Stigmatisierung weiterhelfen und den von mir erwähnten Punkten helfen?

LG
Rotwein
  Zitieren
#2
Hallo Rotwein,

das ist doch eine tolle und wichtige Frage, danke dafür.

Ich bin keine Ärztin, sondern Sozialarbeiterin und Beraterin aber vielleicht hilft es dir ja trotzdem ein bisschen weiter. Toll wäre es natürlich, wenn die (werdenden) Ärzte hier bei Blaupause noch ihre Meinung dazu geben würden.

Wenn du seit 5 Jahren "offiziell" erkrankt bist habe ich gerade die Vorstellung, dass du deine Krankheit bereits gut kennst? Wie viele akute Schübe hattest du bislang? Wodurch werden deine Schübe begünstigt? Was für Bedingungen brauchst du, damit es dir gut geht? Sich gut zu kennen halte ich für essentiell um gut mit einer solchen, möglicherweise chronischen, Erkrankung umzugehen. Hast du in der Therapie auch über das Thema gesprochen bzw. dazu Rückmeldung erhalten?

Wenn du es wirklich möchtest und dich dazu in der Lage fühlst finde ich, du solltest es mit dem Studium probieren. Ich stelle mir ein Medizinstudium sehr hart vor und du wirst, um deinem Wunschberuf näher zu kommen, einige Hürden überwinden müssen. Ins Studium fließt viel Zeit, Energie und Anstrengung. Ich könnte mir vorstellen dass es sinnvoll wäre, auch in dieser intensiven Zeit therapeutische oder anderweitige professionelle Anbindung zu haben. Diese Anforderungen sind eine von vielen Seiten, eine andere Seite ist wie es dir im tatsächlichen Patientenkontakt ergeht usw. Probieren, Erfahrungen sammeln.

Du kannst dich ja auch noch mehr mit Themen wie Experienced Involvement etc. beschäftigen. Klischees spielen weiterhin leider eine große Rolle, aber das heißt ja nicht, dass man sich damit aktiv auseinandersetzen kann. Wichtig ist, ob du für deine Patienten ein verantwortungsvoller und guter Arzt sein kannst, denke ich.

Alles Gute und melde dich gerne nochmal!

franfine

https://blaupause-gesundheit.de/dr-freis...ne-profis/
  Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste